Am 01.Dezember 1912 geht Mathilde Scholl in Berlin zu Rudolf Steiner um sich mit Ihm zu besprechen und trifft ihn im Zustand der Handlungsunfähigkeit an. Marie v. Sivers erklärte ihr, das hinge zusammen mit dem unhaltbaren Zustande, der durch die unwahre Behauptung Anny Besants entstanden sei, und der es ihm unmöglich mache, weiter zu arbeiten. Er persönlich habe alles getan, was ihm in dieser Sache möglich gewesen. Nun müsse die Mitgliedschaft die Initiative ergreifen, von der aber bis heute nichts zu spüren sei.
Frl. Scholl verließ tief bekümmert ihre Freundin und entschloß sich, die Beantwortung dieser Frage einer Erkenntnis zu überlassen, die ihr vielleicht im Schlafe gegeben würde. Am anderen Morgen besuchte sie Rudolf Steiner und erklärte ihm im Hinblick auf das, was ihr von Frl. v. Sivers gesagt worden war, sie habe die Absicht, die Vorstände der Theosophischen Gesellschaft in Deutschland telegraphisch zu einer Sitzung nach Berlin einzuladen, um zu beraten, was geschehen solle. Dr. Steiner stimmte dieser Absicht mit den wenigen Worten zu: „Das können Sie tun."
Zu der Sitzung am 08.12.1912 waren alle Eingeladenen, etwa zwanzig Personen, in der Motzstr. 17 in Berlin, erschienen. Es wurde beschlossen, ein Telegramm an Anny Besant in Adyar zu senden, worin ihr die Unhaltbarkeit ihrer Irrlehre dargelegt und sie zur Resignation (Rücktritt) aufgefordert wurde. Das Konzept dieses eingehenden Telegramms legte Frl. Scholl Dr. Steiner vor, der gegen den Inhalt keine Einwände erhob. Hierauf erfolgte durch Anny Besant telegraphisch die kategorische Erklärung, daß sie die deutsche Sektion der Theosophischen Gesellschaft nicht mehr als zu dieser gehörig anerkennen könne.
Kurz vorher war vereinbart worden, daß in Köln ein Vortragszyklus gehalten werden solle. In der Aula des Dreikönigs-Gymnasiums am Thürmchenswall sollte er stattfinden, wobei aber der Direktor der Schule weder gesellige Veranstaltungen noch musikalische Darbietungen dulden wollte. Am 28. Dezember 1912 fanden sich in dieser Aula einige Hundert Mitglieder aus dem In- und Auslande ein, um dem Zyklus „Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe" beizuwohnen.
Bevor Rudolf Steiner den ersten Vortrag hielt, charakterisierte er die unwahre Lehre von Anny Besant und sprach mit der höchsten ihm zu Gebote stehenden Stimmkraft die Worte: „Wir sind aus der Theosophischen.Gesellschaft herausgeworfen worden!"
Dann erklärte er, daß nun eine neue Gesellschaft gegründet werden solle unter dem Titel „Anthroposophische Gesellschaft". Wer der neuen Gesellschaft beitreten wolle, möge sich in das Lehrerzimmer, Parterre, begeben, wo ihm das Zertifikat ausgehändigt werde. Dort hatten noch außer Marie v. Sivers Dr. Carl Unger und Kurt Walther Platz genonunen, die in gemeinsamer Arbeit die Ausfertigung der Zertifikate vornahmen, was in einer, verhältnismäßig kurzen Zeit erledigt wurde.
Damit war die Anthroposophische Gesellschaft tätig gegründet und der erste Vortrag des Zyklus wurde nur vor Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft gehalten.